Über mich

Hier geht es um meinen Werdegang als Mensch und wie ich dazu gekommen bin, dieses Projekt zu starten. Meinen formalen Lebenslauf hingegen findest Du hier

 

1990 erblickte ich als erstes von drei Kindern in Hamburg das Licht der Welt. Auf den ersten Blick bin ich aufgewachsen in guten Verhältnissen: Wir hatten ausreichend Geld, lebten in einer schönen Gegend, liebe Freunde und Verwandte wohnten gleich um die Ecke. 

In der Tiefe aber belastete mich etwas. Ich fühlte mich befangen und nicht in der Lage, meine echten Impulse - mein echtes NEIN und mein echtes JA - ausdrücken und leben zu können. Die unterdrückte Wut darüber kam in verzerrter Form zum Ausdruck: Ich wurde gehässig, anderen und auch mir selbst gegenüber. Mich plagten ständige Gefühle von Schuld, Scham und Minderwertigkeit. Gleichzeitig verlor ich die Orientierung im Leben: Alles schien mir egal, da ich mein ehrliches NEIN und JA dauerhaft unterdrückte. 

Nach der Schulzeit schwankte ich ziemlich verloren hin und her zwischen radikaler Systemkritik und der Suche nach Anerkennung. Ich entschied mich für ein Lehramtsstudium, mit der Idee, durch meinen Unterricht einen Wertewandel in der Gesellschaft bewirken zu können. Doch schon in dem Moment, als ich mich in die erste Vorlesung setzte, hatte ich den Impuls, umzukehren und einen anderen Weg einzuschlagen. Aber welchen? Tief in mir war mir klar, dass ich im Rahmen der etablierten Strukturen keinen Weg sah, um meine Intuition einer besseren Welt zu verwirklichen. Doch Alternativen sah ich auch keine. 

Also zog ich nach Kiel und begann mein Studium. Immerhin verschaffte mir das Studentendasein gewisse Freiräume und eine Akzeptanz in der Gesellschaft, und so blieb ich auf diesem Weg, auch wenn er im Grunde falsch war. Vor meinem Unmut darüber versuchte ich zu fliehen, indem ich auf Parties ging, mich mit Drogen betäubte, sexuelle Begegnungen suchte. Sobald aber zwischen mir und einem anderen Menschen echte Nähe entstand, kamen meine verdrängten Gefühle - Verlorenheit, Traurigkeit und Wut - wieder zum Vorschein. Im Grunde steckte ich noch immer im selben Dilemma wie als Kind, obwohl ich bereits erwachsen war. Hierüber zerbrach auch meine längste Liebesbeziehung. 

Irgendwann hatte ich etwa drei Viertel meines Studiums absolviert und war sehr verzweifelt, einsam und verwirrt. Dann lernte ich eine Frau kennen, die mir Nähe und Zuversicht schenkte. Sie ermutigte mich, mein Studium abzuschließen. Ich tat es für uns beide und zwang mich, noch einmal die Scheuklappen aufzusetzen. Der Studienabschluss schien eine gewisse Öffnung und Erlösung von meinem quälenden Zwiespalt zu bedeuten. Immerhin fand ich für meine Abschlussarbeit ein Thema, das mich interessierte (Absurdes Theater, Psychologie) und wodurch sich mein Gefühl für die menschliche Seele vertiefte. 

Nach dem Abschluss war ich zunächst erleichtert, fiel aber sofort wieder auf das Loch in mir selbst zurück: Student war ich nicht mehr - was nun? Bald darauf fand ich eine Anstellung als "Coach" in Berlin. Für die Aufgabe, andere Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen, konnte ich mich begeistern. Der Haken war, dass es darum ging, Menschen "fit für den Arbeitsmarkt zu machen". Ich redete mir damals ein, das könnte für mich passen. Ein Jahr lang führte ich Einzelcoachings mit erwerbslosen Menschen - zunächst engagiert, bald desillusioniert. Meine Sehnsucht nach innerem und äußerem Frieden meldete sich zurück. 

Mein Arbeitsvertrag als Coach war befristet bis September 2019. Anschließend hatte ich durch mein Arbeitslosengeld Zeit, weiter nach den Ursachen zu forschen: Worin besteht der Kern unserer Zwangs- und Leidensgesellschaft? Wie können wir die Ketten sprengen und ein sinnvolleres, freieres, verbundeneres Leben führen? Die Antwort begann sich zu zeigen, als ich auf das Thema Bindungstrauma / Entwicklungstrauma stieß und erkannte, dass dies im Grunde die gesamte "zivilisierte" Welt betrifft: Als Kinder mussten wir lernen, bestimmte Gefühle und Bedürfnisse zu unterdrücken, anstatt sie zu ehrlich zu kommunizieren. Dieses Muster blockiert die Lebensenergie, es trennt uns von uns selbst und voneinander. Solange wir dieses Muster leben, sind wir im Kern gebrochene, verlorene Seelen, die in jeder Minute ihres Lebens unbewusst nach der verlorenen Verbindung zu uns selbst und anderen suchen. 

 

Dies macht uns empfänglich für Verheißungen von Autoritäten (Schule, Staat, Wirtschaft, Religion etc.): Sie spielen mit unseren Scham- und Schuldgefühlen und bieten uns Masken an, mit denen wir uns die Liebe erkämpfen sollen, nach der wir suchen. Wir sollen "erfolgreich sein", uns produzieren und auszeichnen. Doch tatsächlich fühlen sich viele erfolgreiche Menschen ungeliebt, weil sie sich nicht ganz zu erkennen geben und somit auch keine Liebe erfahren können. 

In diesem Meer falscher Fassaden und unerfüllter Sehnsucht sind ehrliche, liebevolle Beziehungen - in Paaren, unter Freunden und innerhalb der Familie - unsere Inseln des Glücks, so sein zu dürfen, wie wir wirklich sind. In dem Moment, wo wir mit all dem angenommen sind, was wir verborgen und verdrängt hatten - unseren Scham- und Schuldgefühlen, unserer darunter verschütteten Traurigkeit und strotzenden Kraft, unserem Wunsch nach Nähe und Freiheit - fällt Licht ins Dunkel. Wir erkennen dann, dass alles Störende und Destruktive in uns nur darauf wartete, sich unverhüllt zeigen zu dürfen, im Licht der Liebe und Anteilnahme eines anderen Menschen. Kommt es zu dieser tiefen Verbindung, sind Schuld und Scham, Zweifel und alles Destruktive augenblicklich erlöst. Es kommt zu einer tiefen Beruhigung, zu Meditation, stiller Offenheit und Freude, zu Ehrfurcht gegenüber dem Mysterium des Lebens. 

Jede solche Erfahrung war für mich wie ein Leuchten in dunkler Nacht, das mir den Weg zeigte. Nun ist mir klar, dass ich dieses Leuchten an andere Menschen weitergeben möchte. Ich beschäftige mich seit längerer Zeit mit der relevanten Fachliteratur (siehe Quellen) und besuche entsprechende Seminare. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Nervensystem (unserer Wahrnehmung) und zur Bindungsforschung geben meiner Arbeit ihr Fundament. 

© Copyright - Julian Sothmann